GRENZPEGEL - KREATIVIT?T UND KONTROVERSEN MIGRANTISCHER MUSIKSZENEN PDF Print E-mail

Initiative Minderheiten, ERSTE Stiftung, Akademie der bildenden Künste Wien, Wienbibliothek im Rathaus, zeitschrift juridikum, Mandelbaum Verlag,
und Okto und laden ein:

 

Ausstellung

GRENZPEGEL
KREATIVITÄT UND KONTROVERSEN MIGRANTISCHER MUSIKSZENEN

homoriental: der queere und transkulturelle Club in Wien hosted by dj yasemin

homoriental: der queere und transkulturelle Club in Wien hosted by dj yasemin

Kuratiert von Ruby Sircar und Fatih Aydoğdu

Eröffnung: 11.11.2010, 19.00 Uhr
Musik: DJ Cay Taylan
Ausstellungsdauer: 12.11.2010–14.01.2011

Ort: Wienbibliothek im Rathaus
Stiege 4, 1. Stock, 1080 Wien
Öffnungszeiten: Mo–Do 9.00–18.30 Uhr, Fr 9.00–16.30 Uhr

Fotos von der Eröffnung

Wien als Hotspot für Elektromusik und populäre Balkansounds sowie die Rolle des migrantischen Musikschaffens ist Schwerpunkt der Ausstellung „Grenzpegel. Kreativität und Kontroversen migrantischer Musikszenen“, die vom 12. November 2010 bis 14. Jänner 2011 in der Wienbibliothek im Rathaus zu sehen sein wird.

Ab Anfang der 1990er Jahre wurden in Wien unter den Begriffen „Vienna Electronica “ und „Balkanfever“ zwei musikalische Stilrichtungen geprägt, die die dominante Erzählung der „Musikstadt Wien“ mit neuen Inhalten, sprich neuer Musik gefüllt hat. „Vienna Electronica“ wurde zu einem (In-)Begriff für elektronische Musik: eine Gruppe von MusikerInnen setzte neue Technologien (Musikcomputer, Sampler, Harddisc-Recording-Systems, Software-Synthisysers, Timemaschinen usw.) in „Heim-Studios“ für ihre Musikproduktionen ein. Es bildete sich vor Ort eine eigenständige Clubkultur mit lokalen DJs, MusikerInnen, Veranstaltungslokalen, Musikfestivals etc. heraus. Im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit bei „Vienna Electronica “ stand der „Downbeat“, der von Musikern und Gruppen wie Kruder und Dorfmeister, Erdem Tunakan & Patrick Pulsinger, dZihan und Kamien, Sofa Surfers, Tosca entscheidend geprägt wurde.

Wiener Balkanmusik als Exportschlager in Belgrad, Zagreb und Istanbul

Balkanmusik“ wurde in Wien im neuen Jahrtausend nach den Erfolgen von Emir Kusturica und Goran Bregović zunehmend populär. Danach war diese auch in Belgrad und Zagreb sehr erfolgreich, bzw. stand in engem Austausch mit der Musikentwicklung nach dem Bürgerkrieg. Diese Musikrichtung ist nicht stilistisch geprägt. Gesampltes oder gespieltes - zum Teil - traditionelles Material wird hier mit House, Trip-Hop, Hip-Hop Funk, Dub oder Downbeat gekreuzt und zu tanzbarer Beat-Musik verarbeitet. Hier spielt – im Unterschied zur „Vienna Electronica“ – die Herkunft der MusikerInnen eine nicht unbedeutende Rolle – nicht zuletzt durch den Verweis auf den „Balkan.“ Obwohl die ProtagonistInnen dieser Szene zumeist migrantische Wurzeln haben, ist ihre Musik keineswegs als ein Replikat der eigenen Musiktradition und ihrer Nutzung vom eigenen Kulturkreis aus zu betrachten. Vielmehr weist sie auf eine eigene soziale Dynamik hin. Anfangs wurde sie eher von migrantischen Jugendlichen aufgenommen, aber inzwischen locken diese Art von Veranstaltungen ein breites Publikum an und haben kommerziellen Erfolg. Dazu zählen Gruppen und DJ's wie Shantel, N.O.H.A, delaDap, dZihan & Kamien, Dunkelbunt, Coup de Bam, Karuan, Çay Taylan, Kava (u.a.), Veranstaltungsorte wie der Ostklub, Veranstaltungen wie Homoriental, Jour-Fix, Club Bodrum. Auch Stile wie der sogenannte „Turk- und Yugo-Pop“ gehören dazu. Mediale Unterstützung kommt von der Wiener TV-Station OKTO, von Radio Orange und zum Teil auch vom öffentlich-rechtlichen Radiosender FM4. Inzwischen haben sich die Produktionsstätten, Aufführungsorte und die Netzwerke in Richtung Osteuropa erweitert und mit vielen westeuropäischen MusikproduzentInnen gekreuzt. Die türkische Metropole Istanbul gilt beispielsweise als einer der zentralen Produktionsorte.

Ein Roundtable-Gespräch zu den Anfänge und Entwicklungen

Um diese Musikstile auch historisch zu kontextualisieren, wird in der Ausstellung ein Roundtable mit einigen der ersten ProtagonistInnen der Wiener MigrantInnenmusik-Szene zu sehen sein: Slavko Ninić, Hakan Gürses, Lakis Jordanopoulos, Alyosha Biz, Marwan Abado und Alp Bora.

Die Diskussion verdeutlicht einerseits die Selbstpositionierung der MusikerInnen im Gegensatz zur Kategorisierung durch die Musikindustrie. Der populäre Begriff World Music wird dabei besonders durch die jüngere Generation in Frage gestellt. Andererseits wird die Tatsache verdeutlicht, dass viele in Wien lebende MusikerInnen, die im Laufe ihres Lebens die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen haben, in der Öffentlichkeit weiterhin als MigrantInnen wahrgenommen werden.

Abgerundet wird dieses Roundtable-Gespräch, das auch auf Okto gesendet wird, durch Interviews mit der Musikethnologien Ursula Hemetek, dem Veranstalter Markus Westenberg (Ostklub), den MusikerInnen dZihan & Kamien, Cay Taylan, Karuan, Stani Vana (delaDap) und anderen. Die beiden KuratorInnen Ruby Sircar und Fatih Aydoğdu haben zudem eine umfangreiche Materialsammlung aus Plattencovern, Fotos, Poster etc. zusammengestellt, die die Entwicklungen der letzten 30 Jahre zusätzlich veranschaulicht.

Historische Timeline

Anhand einer Timeline wird weiters das Zusammenwirken von politischen Maßnahmen und Verschärfungen der Einreisebedingungen einerseits und die Kommerzialisierung von Weltmusik andererseits dokumentiert. Die gesetzlichen Hürden für MusikerInnen aus Drittstaaten werden auch für gefeierte Stars immer höher.

Die wienbezogenen Materialien werden nach Ende der Ausstellung Eingang in die Sammlungen der Wienbibliothek finden.

Die Timeline als PDF

KuratorInnen

Fatih Aydoğdu lebt und arbeitet seit 1981 als Künstler, Grafikdesigner, Musiker, Kurator und DJ in Wien. Seine künstlerischen Interessen liegen in Bereichen von Sprachwissenschaften, Medienästhetiken, Migrations- und Identitätspolitiken. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

Ruby Sircar ist Wissenschaftlerin, DJ und Künstlerin. Zur Zeit lehrt sie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Davor forschte sie als Research Fellow am Theory Department der Jan van Eyck Academie Maastricht. Ihre Arbeit setzt sich mit Themenfeldern wie feministischen Strategien in der kulturellen Übersetzung, Populärkultur und Migration auseinander.

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Gefördert durch:
ERSTE Stiftung, bm:ukk, european cultural foundation
Bundesministerium für Frauen und öffentlicher Dienst, Bundesministerium für europäische und auswärtige Angelegenheiten, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Frauenabteilung der Stadt Wien, Wien Kultur, Arbeiterkammer Wien, Wirtschaftskammer Österreich, Wirtschaftskammer Wien, Stadtimpuls, Österreichische Lotterien, Bezirksvorstehung Mariahilf

KooperationspartnerInnen:
ERSTE Stiftung, Akademie der bildenden Künste Wien, Wienbibliothek im Rathaus, zeitschrift juridikum, Mandelbaum Verlag, Okto, Peregrina, Universität Wien, IWK, Büchereien Wien, Queer Zagreb, Center for peace studies, Goethe Institut Kroatien, gangart, Volkshochschule Meidling
Die ERSTE Stiftung ist Hauptpartnerin des Projekts VIEL GLÜCK! Migration Heute

 
   
 
 
 
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