STIMME Nr. 93/Winter 2014 PDF Print E-mail

Die aktuelle Ausgabe der STIMME:
Das Begleitheft zur Ausstellung: Romane Thana - Orte der Roma und Sinti

stimme nr. 93

Die Bilder auf unserer Cover-Illustration stammen vom YouTube-Video „Erinnerungen 1970. Musik Gipsy Love mit Jano Stojka

Editorial#93

Mit dieser Stimme-Ausgabe begleiten wir die von der Initiative Minderheiten gemeinsam mit dem Romano Centro, dem Wien Museum und dem Burgenländischen Landesmuseum realisierte Ausstellung „Romane Thana – Orte der Roma und Sinti“.

In einem Gasteditorial setzt sich Cornelia Kogoj, Mitkuratorin von „Romane Thana“, mit den gängigen Repräsentationsformen der Minderheiten im musealen Kontext auseinander.
Andrea Härle, Ideengeberin der Ausstellung und ebenfalls Mitkuratorin, schildert die Entstehung der Ausstellung und des Erzählkonzepts: Konkrete Orte als Anker, um die Geschichte und Gegenwart der Roma und Romnja in Österreich zu erzählen.
Erika Thurner diskutiert die positiven Entwicklungen in Österreichs Roma-Politik seit den frühen 1980er Jahren, die hauptsächlich den Roma-Selbstorganisationen zu verdanken sind (siehe auch Seite 10). In einem zweiten Text beschäftigt sich Thurner mit der nationalsozialistischen „Zigeuner“-Verfolgung am Beispiel von Sidonie Adlersburg, ermordet mit zehn Jahren im KZ Auschwitz.
Entsprechend dem Themenschwerpunkt geht Vida Bakondy in ihrer Kolumne einem Telegramm des Außenamtes an die österreichischen diplomatischen Vertretungsbehörden in Jugoslawien aus dem Jahr 1965 nach: „Erteilet keine SV an Angehörige jugosl. Zigeunergruppen“.

Wie schon bei „Gastarbajteri – 40 Jahre Arbeitsmigration“ im Wien Museum (2004) haben auch diesmal Personen aus der Community einen Teil der Ausstellungsbeiträge gestaltet, sind also Autoren und Autorinnen ihrer Erzählstationen. Die Stimme hat sie gebeten, ihre visuellen Beiträge über die Geschichte und Gegenwart von Roma und Sinti in Österreich zu verschriftlichen: Ihren persönlichen Bezug zum jeweiligen Thema und, das, was die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen eventuell nicht zu sehen bekommen.

Zum Zeitpunkt des Bombenattentats in Oberwart im Jahr 1995, bei dem vier Roma ermordet wurden, war Manuela Horvath zehn Jahre alt. Unter den Toten waren auch zwei ihrer Cousins. Oberwart 1995 ist für sie ein „Romano than“, ein Ort der Roma. Sie erzählt in ihrem Text, wie sie den Abend des Attentats erlebt hat und wie sie bis heute damit lebt.
Für Tamara Marlena Weinrich ist die Musik ein allen Sinti gemeinsamer Ort. Sie veranschaulicht dies anhand eines Liedes, das von ihrem Vater, dem Musiker Robert Weinrich, geschrieben wurde und um die Welt ging: Gawa Diwis.
Die größte Roma-Gruppe in Österreich bilden Roma und Romnja, die mit dem Beginn der 1960er Jahre vom Balkan als „Gastarbeiter“ nach Österreich kamen (siehe auch Seite 22). Usnija Buligovic fragt im Interview die Romni und „Gastarbeiterin“ Amalia Buligovits nach ihrer Migrationsgeschichte und ihren Roma-Orten in Wien.
Und schließlich befasst sich Gilda-Nancy Horvath mit Roma Digital Identities, mit dem Internet als Ort gesellschaftlicher Partizipation und politischer Vernetzung einer jungen Roma-Generation.

Leider hatten wir keinen Platz für die anderen Orte und die dazugehörigen Erzählungen, die in der Ausstellung vorkommen. Etwa Floridsdorf
(Willi Horvath ), die Wiener Krankenhäuser und die Hausmeisterwohnungen (Rabie Peric und ?aklina Radosavljevic), den Rock der Mutter als Sternenzelt (Lilly Habelsberger) oder die Haut des Vaters (Robert Gabris).
Aber gehen Sie hin und sehen Sie selbst: Ab dem 12. Februar 2015 ist auch das Wien Museum ein „Romano than“, ein Ort der Roma und Sinti.

In eigener Sache

Vor der Ausstellungseröffnung freuen wir uns noch auf unseren traditionellen Inter-Culture Club. Das Benefizkonzert für die Initiative Minderheiten und die anschließende Party finden am 24. Jänner 2015 zum achten Mal im Schwarzberg (ehemals Ost-Klub) statt. Diesmal spielen für uns und für euch unter anderem das Diknu Schneeberger Trio, Me and Jane Doe sowie die junge Singer-Songwriterin Nina-Celine.

Eine anregende Lektüre und erholsame Tage zum Jahresende wünscht
Gamze Ongan | Chefredakteurin

STIMME Nr. 93.pdf

Jahresabo Euro 20.-, 2 Jahresabo Euro 38.-

email_icon abo(at)initiative.minderheiten.at

 

Romane Thana - Orte der Roma und Sinti

Eröffnung: 11. Februar 2015
12. Februar - 17. Mai 2015 im Wien Museum, Karlsplatz

Das Romano Centro und die Initiative Minderheiten realisieren in Kooperation mit dem Wien Museum und dem Landesmuseum Burgenland im Frühjahr 2015 die Ausstellung „Romane Thana - Orte der Roma und Sinti“. Die Ausstellung gibt ausgehend von aktuellen Fragestellungen Einblicke in die Lebenssituationen von Roma und Sinti in Österreich. Im Mittelpunkt stehen die Beiträge von elf Autor_innen aus den verschiedenen Communities (Burgenlandroma, Sinti, Lovara, Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien), die gebeten wurden, ausgehend von einem konkreten Ort eigene Geschichten zu entwickeln. Herausgekommen sind unterschiedliche Erzählungen und Orte wie etwa Oberwart – Ort des Bombenanschlags gegen Roma 1995, die Wiener Krankenhäuser – Arbeitsplatz vieler Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Rock der Mutter als Zuflucht und „Sternenzelt“, aber auch das Internet als Raum der politischen Kommunikation innerhalb einer jungen europäischen Roma-Community. 

 
   
 
 
 
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