PDF Print E-mail

stimme nr 95

Stimme Nr. 94

Stimme Nr. 93

Stimme Nr. 92 Stimme Nr. 91

Stimme Nr. 90

Stimme Nr. 89

Stimme Nr. 88

Stimme Nr. 87

Stimme Cover Nr. 86

 

 

 

 

 

 

STIMME Nr. 107/Sommer 2018:
Gleiche unter Gleichen. 100 Jahre allgemeines Wahlrecht für Frauen

Mit Ende des Ersten Weltkrieges und Ausrufung der Republik im Jahr 1918 wurde in Österreich auch das allgemeine Wahlrecht für Frauen beschlossen — mıt Ausschluss der Prostituierten bis 1923. Zur Beobachtung des weiblichen Wahlverhaltens waren zunächst bis 1931 für Wählerinnen verschiedenfarbige Kuverts vorgesehen – ein Vorgehen, das von 1954 bis 1996 bei Landtags- bzw. Gemeinderatswahlen in Wien praktiziert wurde.
Hundert Jahre und zahlreiche frauenpolitische Fort- und Rückschritte später ist das Jubiläumsjahr 2018 von einem massiven Aufschrei über Sexismus geprägt. Unter dem Hashtag #MeToo, das übrigens zehn Jahre zuvor von der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke initiiert wurde, berichten auf sozialen Medien zahlreiche Frauen über erlebte sexuelle Belästigung in Politik, Sport, Kunst sowie in weniger prominenten beruflichen Feldern. Gleichzeitig ist seit 2017 – zwanzig Jahre nach dem ersten Frauenvolksbegehren mit 650.0000 Unterschriften und kaum Konsequenzen – ein neues gestartet worden. Das aktuelle Frauen*Volksbegehren – ein Zusammenschluss aus über 70 Frauenorganisationen – fordert unter anderem, dass Frauen den Platz an den Entscheidungstischen bekommen, der ihnen zusteht. Ein kleiner und doch bedeutsamer Unterschied zu 1997: Das Frauen*Volksbegehren arbeitet explizit mit einem inklusiven Frauenbegriff, der neben Cis-Frauen auch Trans-Frauen, nicht-binäre Frauen und Interpersonen umfasst.
Unsere zweite Ausgabe im Gedenk-und Jubiläumsjahr 2018 widmen wir dem Thema Geschlechtergerechtigkeit: eine Bestandsaufnahme durch Theoretiker_innen und Aktivist_innen.
Die Kraft für die aktuellen Kämpfe um Gleichstellung können wir von unseren Vorgänger_innen holen: Die Medienwissenschaftlerin Sarah Kanawin zeichnet anhand des ersten Internationalen Frauentags 1911 in Wien den zähen Kampf für das allgemeine Wahlrecht nach. Birge Krondorfer, politische Philosophin und feministische Aktivistin, plädiert für eine solidarische Weltgemeinschaft, die nur durch die Wahrnehmung der Weltperspektive der Anderen — nicht nur der Frauen — realisierbar ist. Für die Kultur- und Sozialanthropologin Barbara Grubner zeigt die #MeToo-Bewegung unter anderem auf, dass die Geschlechtergerechtigkeit  in westlichen Ländern noch lange nicht verwirklicht ist. Welche Chancen und Aufgaben erwachsen aus dieser Debatte?
Ein weiteres politisches Ereignis, das 2018 Jubiläum feiert, sind die weltweiten 68er Student_innen- und Jugendrevolten. Ungeachtet der untergeordneten Rolle der Frauen darin – Stichwort Frauenfrage als „Nebenwiderspruch“ – entstand aus der 68er Bewegung die Neue Frauenbewegung. Duygu Özkan sprach mit der Filmemacherin, Regisseurin und Feministin Käthe Kratz über die frauenpolitischen Errungenschaften der 1970er Jahre und ihren Erfahrungen mit dem Chauvinismus in der Männerwelt des Films.
Die Basisbildnerin Nima Obaro schließlich unternimmt den Versuch, den pädagogischen Ansatz der feministischen Wissenschaftstheoretikerin Gayatri C. Spivak in der aktuellen österreichischen Wirklichkeit der oktroyierten „Werte“kurse für Migrant_innen anzusiedeln.

Wie wir schon berichtet haben, wurde der Stimme-Autor Hakan Gürses kürzlich mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet. In der Laudatio der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou erfahren Sie ungeahnt mehr über diesen ganz besonderen Wiener.
Die slowenisch-sprachige Band Roy de Roy eckt an – und das ist gut so. Die Musikwissenschaftlerin Raffaela Gmeiner sprach mit dem Sänger der Band Nikolaj Efendi unter anderem über ihre gesungene Wut gegen Nationalismus.
In der Radio-Stimme-Nachlese über Möglichkeiten leistbaren Wohnens stellt Julia Schönherr innovative Projekte vor.
In ihren Kolumnen beschäftigen sich Hakan Gürses mit links und rechts, Vida Bakondy mit einem Säulenbildstock. Erwin Riess mit der Berichterstattung zum Tod von Stephen Hawking und Julia Schönherr mit leistbarem Wohnen.

In eigener Sache
Mit großer Freude dürfen wir an dieser Stelle Ursula Hemetek, Mitbegründerin, Mitstreiterin und langjährige Obfrau der Initiative Minderheiten zum Wittgensteinpreis 2018 gratulieren, Hemetek, die zur traditionellen Musik von Minderheiten in Österreich forscht, leitet das Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Liebe Uschi, wir sind sehr stolz auf dich!
Einen langen Sommer mit noch mehr guten Nachrichten und anregender Lektüre
wünscht

Gamze Ongan, Chefredakteurin

Stimmlage - von Hakan Gürses
Gleiche unter Gleichen - von Sarah Kanawin
Die begrenzte Demokratie - von Birge Krondorfer
Was bleibt von #MeToo? - von Barbara Grubner
Käthe Kratz im Gespräch mit Duygu Özkan
Wider das derart-regiert-werden - von Nima Obaro
Zum Tod von Stephen Hawking - von Erwin Riess
Nikolaj Efendi (Roy de Roy) im Gespräch mit Raffaela Gmeiner
Goldenes Verdienstzeichen an Hakan Gürses - von Maria Vassilakou
Wie leistbar wohnen? - von Julia Schönherr
Spurensicherung - von Vida Bakondy
Lektüre - von Cornelia Kogoj und Zsaklin Diana Macumba und Jana Sommeregger

--------------------------------------------

STIMME: Vierteljahrespublikation zu minderheitenspezifischen Schwerpunktthemen
Jahresabo Euro 20.-, 2 Jahresabo Euro 38.-
zu bestellen unter: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it

Neue Bankverbindung:
Erste Bank
IBAN: AT60 2011 1838 2586 9200

Die STIMME auf Facebook

---------------------------------------------------------------------------------------------------

Über die STIMME:

Die STIMME erscheint seit 1991 als Zeitschrift der Initiative Minderheiten. Wurden die ersten fünf Hefte noch von einem ehrenamtlichen Redaktionsteam in unregelmäßigen Intervallen herausgegeben, so erscheint die STIMME seit Anfang 1993 (ab Nr. 6) vierteljährlich in einer Auflage von derzeit 3.700 Stück.
Die Blattlinie ergibt sich aus der Programmatik der Initiative Minderheiten, die für eine minderheitengerechte Gesellschaft eintritt, in der individuelle Lebensentwürfe unabhängig von Merkmalen wie ethnischer, sozialer oder religiöser Zugehörigkeit, sexueller Orientierung und Behinderung als gleichberechtigt und gleichwertig anerkannt sind.
Vor diesem Hintergrund versteht sich die STIMME in erster Linie als eine mediale Plattform für Minderheiten. Jedes Heft beinhaltet einen minderheitenübergreifenden thematischen Schwerpunkt, in dessen Rahmen Anliegen und Forderungen minorisierter Gruppen formuliert und politisch-theoretische Überlegungen ausgetauscht werden können sowie nach gemeinsamen Strategien gesucht werden kann.
Menschenrechts- und Minderheitenorganisationen, so genannte Multiplikator_innen sowie interessierte Einzelpersonen bilden die Zielgruppe der STIMME.

Sollten Sie Interesse an einer bestimmten Ausgabe haben, kann diese via e-mail (email_icon This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it ) zum Preis von EUR 6,- (inkl. Porto und Versand) in unserem Wiener Büro angefordert werden. Ein Jahresabo umfasst jeweils vier Hefte und ist zum Preis von EUR 20,- erhältlich. Für Vereinsmitglieder der Initiative Minderheiten ist der Bezug kostenlos.

Die Liste der online verfügbaren Hefte finden Sie im Navigationsmenü rechts. Die neueren Hefte können Sie als pdf-Dateien herunterladen bzw. online lesen (ausgewählte Texte). Ältere Hefte sind im Archiv als html-Dateien verfügbar.

stimme 94

STIMME - Zeitschrift der Initiative Minderheiten.

Chefredakteurin: Gamze Ongan

Vierteljahrespublikation zu minderheitenspezifischen Schwerpunktthemen
Jahresabo Euro 20.-, 2 Jahresabo Euro 38.-

email_icon abo(at)initiative.minderheiten.at